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Homilien
Ihr werdet meine Zeugen sein
Hochfest Christi Himmelfahrt
C - 2007-05-20
 
Apg 1,1-11;
Eph 1,17-23;
Lk 24,46-53.

Wenn wir nicht wollen, dass Christi Himmelfahrt eher einem traurigen Abschied ähnelt denn einem wahren Fest, ist es notwendig, den radikalen Unterschied zwischen dem Verschwinden und einer Abreise zu verstehen.

Mit der Himmelfahrt ist Jesus nicht abgereist: Er ist „nicht weggegangen“, sondern er ist nur dem Blick entschwunden. Wer abreist, ist nicht mehr da. Wer verschwindet, kann noch da sein, ja sogar in nächster Nähe, nur dass es da etwas gibt, was verhindert, ihn zu sehen. Ja, im Augenblick der Himmelfahrt entschwindet Jesus dem Blick der Apostel, aber nur, um auf eine andere, innige Weise gegenwärtig zu sein: nicht außerhalb von ihren, sondern in ihnen. Es geschieht etwas Ähnliches wie bei der Eucharistie: Solange die Hostie nicht in uns ist, sehen wir sie und beten sie an. Wenn wir sie empfangen, sehen wir sie aber nicht länger: Sie ist verschwunden – um jetzt in uns zu sein. Eine neue und stärkere Gegenwart hat begonnen…

Es erhebt sich aber ein Einspruch: Wenn Jesus nicht mehr sichtbar ist, wie sollen die Menschen dann um diese seine Gegenwart wissen? Die Antwort ist: Er will durch seine Jünger sichtbar sein! Lukas verknüpft die Himmelfahrt sowohl in seinem Evangelium als auch in der Apostelgeschichte eng mit dem Thema des Zeugnisses: „Ihr seid Zeugen dafür“ (Lk 24,48). Dieses „Ihr“ meint in erster Linie die Apostel, die mit Jesus zusammen gewesen sind. Nach den Aposteln geht dieses sozusagen „offizielle“, mit dem Amt verbundene Zeugnis auf ihre Nachfolger über, auf Bischöfe und Priester. Aber dieses „Ihr“ betrifft auch alle Getauften und Christgläubigen. „Jeder Laie muss vor der Welt Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu, unseres Herrn, und ein Zeichen des lebendigen Gottes sein“, heißt es in „Lumen gentium“ (38).

Das Wort Pauls VI. ist berühmt geworden: „Die Welt braucht mehr Zeugen denn Lehrer.“ Es ist relativ leicht, ein Lehrer zu sein. Bedeutend schwerer ist es, Zeuge zu sein. In der Tat, die Welt ist voller Lehrer, die falsch oder wahr sein mögen, es mangelt ihr aber an Zeugen. Zwischen den beiden Rollen besteht, wie ein Sprichwort besagt, derselbe Unterschied wie zwischen Reden und Tun … Die Fakten, so ein englisches Sprichwort, sind „lauter“ als die Worte.

Der Zeuge ist einer, der mit dem Leben spricht. Ein gläubiger Vater oder eine gläubige Mutter müssen für ihre Kinder „die ersten Zeugen des Glaubens“ sein. Das fordert die Kirche von ihnen in der Segnung, die dem Ritus der Eheschließung folgt. Ein konkretes Beispiel: In dieser Jahreszeit feiern viele Kinder die Erstkommunion oder werden gefirmt. Eine gläubige Mutter oder ein gläubiger Vater können dem Kind helfen, den Katechismus zu wiederholen und auswendig zu lernen, ihm den Sinn dieser Worte erschließen. Sie tun dann etwas sehr Schönes, und es wäre nicht schlecht, wenn es viele täten! Was aber soll das Kind denken, wenn es die Eltern nach all dem, was sie anlässlich der Erstkommunion gesagt und getan haben, systematisch versäumen, in die Sonntagsmesse zu gehen, wenn sie sich nicht einmal bekreuzigen und nie ein Gebet sprechen? Sie waren Lehrer, aber keine Zeugen.

Das Zeugnis der Eltern darf sich natürlich nicht auf die Zeit der Erstkommunion oder der Firmung der Kinder beschränken. Mit ihrer Art, das Kind zu korrigieren und ihm zu vergeben – sich gegenseitig zu vergeben – und voller Respekt über die Abwesenden sprechen; mit ihrem Verhalten gegenüber einem Bedürftigen, der um Almosen bittet; mit Bemerkungen, die sie in Anwesenheit des Kindes über die Nachrichten des Tages machen – mit all dem haben die Eltern jeden Tag die Möglichkeit, Zeugnis von ihrem Glauben abzulegen. Die Seele der Kinder ist wie ein unbelichteter Film: Alles, was sie in den Jahren der Kindheit sehen und hören, prägt sich ein und wird sich eines Tages „entwickeln“ und Fürchte bringen – gute oder auch schlechte.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals]
 
 
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