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Homilien
Selbst „Paraklet“ werden
6.Sonntag in der Osterzeit
A - 2008-04-27
 
Apg 5-8.14-17; 1 Ptr 3,15-18; Joh 14,15-21

Wenn Jesus seinen Jüngern im Evangelium vom Heiligen Geist erzählt, nennt er ihn „Paraklet“ (Beistand), was soviel wie „Tröster“ oder „Verteidiger“ oder auch beides zusammen bedeutet. Im Alten Testament ist Gott der große Tröster seines Volkes. Dieser „Gott allen Trostes“ (Röm 15,4) hat „Fleisch angenommen“ in Jesus Christus, der sich als der größte Tröster oder Paraklet bezeichnet (vgl. Joh 14,15-31).

Der Heilige Geist, der das Erlösungswerk Christi weiterführt und alle gemeinsamen Werke der Dreifaltigkeit zur Vollendung bringt, kann niemand anderer sein als der Tröster, „der immer bei euch sein wird“, wie Jesus sagt. Nach dem Osterfest hat die ganze Kirche die lebendige und starke Erfahrung dieses Geistes gemacht, der bei allen inneren und äußeren Schwierigkeiten, bei allen Verfolgungen und auch im Alltag als Tröster, Verteidiger und Bündnispartner zur Stelle ist. In der Apostelgeschichte lesen wir: „Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe („paraklesis“) des Heiligen Geistes“ (Apg 9,31).

Das muss für uns ganz praktische Konsequenzen haben: Auch wir müssen zu „Parakleten“ werden. Wenn der Christ tatsächlich „alter Christus“, ein „zweiter Christus“, sein soll, dann ist es auch wahr, dass er ein „zweiter Paraklet“ werden soll. Der Heilige Geist tröstet uns nicht nur, sondern er macht uns auch fähig, unsererseits andere zu trösten. Und der wahre Trost kommt allein von Gott, dem „Vater allen Trostes“.

Der Heilige Geist kommt über den, der in Bedrängnis ist, aber er bleibt nicht bei ihm stehen. Sein letztes Ziel ist nämlich erst dann erreicht, wenn derjenige, der Trost erfahren durfte, sich dessen bedient, um seinerseits seinen Nächsten zu trösten – mit demselben Trost, mit dem er von Gott getröstet worden ist. Und dabei gibt er sich nicht damit zufrieden, bloße Floskeln zu wiederholen, die nichts ändern können („Nur Mut! Gib nicht auf! Alles wird gut werden!“), sondern er vermittelt den wahren „Trost der Schrift“, der dazu führt, dass man wirklich hoffen kann (vgl. Röm 15,4). So erklären sich die Wunder, die ein schlichtes Wort oder eine Geste bewirken können und die, wenn sie in einer Atmosphäre des Gebets entstehen, sogar zur Heilung eines Kranken beitragen können. Es ist Gott, der diese Person tröstet – aber Gott, der sich deiner bedient!

In gewisser Weise braucht uns der Heilige Geist, damit er Paraklet sein kann. Er will trösten, verteidigen und ermutigen, aber er hat keinen Mund, keine Hände und keine Augen, um seinem Trost „Gestalt zu geben“. Oder besser gesagt: Er hat „unsere“ Hände, „unsere“ Augen und „unseren“ Mund.

Wenn der Apostel Paulus die Christen in Thessaloniki dazu ermutigt, einander zu trösten und zu ermahnen (vgl. 1 Thess 5,11), dann ist es so, als ob er ihnen sagen würde: „Werdet füreinander zu Parakleten!“

Wenn der Trost, den wir vom Heiligen Geist empfangen, von uns nicht auf die anderen übergeht, wenn wir ihn selbstsüchtig ganz für uns behalten wollen, dann wird dieser Trost bald zugrunde gehen. Hier liegt also die Quelle, aus dem das wunderbare Gebet entspringt, das dem heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird: „O Meister, hilf mir, dass ich nicht danach verlange, getröstet zu werden, sondern zu trösten; verstanden zu werden, sondern zu verstehen; geliebt zu werden, sondern zu lieben…“

Im Licht des Gesagten fällt es nicht schwer zu entdecken, wer heute um uns herum die Parakleten sind. Es sind diejenigen, die sich über die Kranken beugen, die im Sterben begriffen oder an Aids erkrankt sind; jene, die sich um alte Menschen kümmern und ihre Einsamkeit erträglich machen, die in ihrer Freizeit einen Krankenhausbesuch unternehmen und die für jene Kinder sorgen, die daheim oder auswärts missbraucht worden sind.

Beenden wir unsere Überlegungen mit den ersten Versen der Pfingstsequenz, in der der Heilige Geist als „höchster Tröster“ angerufen wird: „Vater aller Armen du, aller Herzen Licht und Ruh, komm mit deiner Gaben Zahl. Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, komm, du süßer Seelenfreund. In Ermüdung schenke Ruh, in der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der Tränen weint“ („Veni, pater pauperum, Veni, dator munerum, Veni, lumen cordium. Consolator optime, Dulcis hospes animae, Dulce refrigerium. In labore requies, In aestu temperies, In fletu solacium“; deutsche Übersetzung von Heinrich Bone).


[ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals]

 
 
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